Breathe


Tied Fade
SS 2020

Studierende

Isabelle Rein


Projektbetreuung

Prof. Gabriele Langendorf


Studiengänge

Freie Kunst


Richtung

Malerei


Projektart

Bachelor

Isablle Rein: Breathe, Diplom Freie Kunst 2020, "Tied", Ölmalerei auf emaillierter Badewanne, Foto: Thorsten Müller

Im Konflikt mit der Welt ist es zunächst das Verhältnis zu einem Selbst, welches uns quält. Unterschwellige Wellen an Emotionen, die uns täglich überschütten, nicht immer eindeutig, welchen Umständen geschuldet, manifestieren innere Leidenszustände. Der Drang ein empfundenes Gefühl von Leere in seiner Entwicklung zu ersticken, potenziert die emotionale Bedrückung, derer wir immer mehr unterliegen. Die Lasten, die sich in der Vergangenheit angestaut haben, werden mitgetragen, gesammelt, unterdrückt, mit dem unterbewussten Versuch, diese zu vergessen oder ihre Existenz nicht zu erkennen.

Meine dreiteilige Arbeit Breathe thematisiert eben jene emotionalen Zustände und gibt den negativen Gefühlseindrücken ein Gesicht, eine Möglichkeit, nicht greifbaren seelischen Empfindungen einen Raum zu schaffen. In Form einer figürlichen Ölmalerei in ein Rohkonstrukt einer Badewanne nimmt der erste Teil der Arbeit Breathe Tied den Anfang der Idee eines Verarbeitungskreislaufs psychischen Leidensdruckes. Der Blick auf die beinahe entblößte Figur, eröffnet dem Betrachter Einsicht und Offenbarung der Lokalisierung bedrückender innerer Stimmungen. Ein wechselhaftes düsteres Farbspiel in hoher Kontrastierung bildet in seiner Bedeutung ein Äquivalent zu den verkrampften Händen am Badewannenrand und dem fokussierenden Blick der Augen.

Im zweiten Teil der Arbeit Breathe Fade, eine Malerei auf die Innenfläche eines Ausgussbeckens, ist in der Abbildung eines unterwasserliegenden Frauenkopfes die emotionale Steigerung deutlich spürbar. Der Ausdruck des nach hinten sinkenden Kopfes, der halbgeschlossenen Augen und der von Schmerz geöffneten Lippen, verbildlichen den unaufhaltsamen Ausbruch aller innerer negativer Empfindungen. Im Unterschied zu Breathe Tied gelingt es der Figur nicht, den seelischen Lasten standzuhalten. Das Innere kehrt sich nach außen.

Mit dem letzten Teil der Arbeit, kann eine Videoaufnahme als Höhepunkt und Abschluss zugleich wahrgenommen werden. Dabei wird der Betrachter mit der Szenerie einer jungen Frau auf ihrem unaufhaltsamen Gang in einen trüben See konfrontiert. Ähnlich der Malereien, ist die farbliche Gestaltung der dargestellten Umgebung in trüben, ungesättigten Farben gehalten. Der Gang der Videodarstellerin endet wider Erwarten mit dem Treiben ihres Körpers auf der Wasseroberfläche. Bekannte Werke der Kunstgeschichte erinnern bei der Betrachtung der Videoszenerie an dramatische Todesumstände. Die Arbeit Breathe spielt mit der aufbauenden Zuspitzung der vorangegangen Malereien mit dem Ausdruck übersteigerter Emotionalität und beruft sich auf eben jene morbide Ästhetik der Kunsthistorie.

Trotz des melancholischen Eindrucks thematisiert meine Arbeit den Verarbeitungsprozess negativ lastender Stimmungen und dem versöhnlichen Gedanken ihrer Akzeptanz und Zugehörigkeit. Breathe offenbart sowohl in der wörtlichen Bedeutung des Titels als auch in ihrem künstlerischen Ausdruck einen möglichen Umgang im Verarbeitungsprozess psychischer Belastungszustände und verbildlicht die Empfänglichkeit für das Verständnis und die Anerkennung solcher. Ein Verweis auf den Druck anhaltender innerer Leiden und die Möglichkeit neuen Atem zu erlangen.